{"id":1575,"date":"2021-06-06T20:37:26","date_gmt":"2021-06-06T18:37:26","guid":{"rendered":"https:\/\/abenteuerpiloten.de\/?page_id=1575"},"modified":"2021-06-06T20:55:03","modified_gmt":"2021-06-06T18:55:03","slug":"russland-august-2019","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/abenteuerpiloten.de\/?page_id=1575","title":{"rendered":"Russland August 2019"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Auf nach Kaliningrad: 100 Jahre Flugplatz DEVAU<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auf der AERO 2019 habe ich James Ketchell getroffen. James Plan ist, mit seinem Magni M16 Tragschrauber einmal rund um die Welt zu fliegen. Er erz\u00e4hlt mir, dass er \u00fcber die Beringsee nach Alaska fliegt. Ich werde hellh\u00f6rig. Um \u00fcber die Beringsee nach Alaska zu kommen, muss man ein ganz gro\u00dfes St\u00fcck durch Russland fliegen. Ich war bisher der Meinung, dass ein ausl\u00e4ndischer VFR Flieger in Russland einen Navigator an Bord ben\u00f6tigt. Deshalb frage ich James, ob er einen solchen in Russland mitnimmt. Er lacht und stellt mir die Gegenfrage, wo er diesen unterbringen soll. Sein Gyro ist mit dem zus\u00e4tzlichen Benzintank komplett voll. Dann kl\u00e4rt er mich auf, dass es inzwischen m\u00f6glich ist, ohne Navigator zu fliegen. Nun spitze ich meine Ohren. Nach Russland zu fliegen steht auf meiner pers\u00f6nlichen Flugzielliste ganz oben.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der AERO, versuche ich weitere Informationen zu bekommen. Ich bin nicht wirklich erfolgreich und \u00fcberlege, mich an die Agentur zu wenden, die f\u00fcr James die Genehmigungen eingeholt hat. Soweit kommt es aber nicht. Ich checke meine Mails und jubele. Ich habe eine Mail von Heike K\u00e4ferle, der Pr\u00e4sidentin des VdP, der Vereinigung deutscher Pilotinnen. Sie leitet eine Mail von Ren\u00e9 Lancelle aus Kiel weiter. Betreff: 100 Jahre: Fly-in Kaliningrad. <\/p>\n\n\n\n<p>Robert wird von mir vor vollendete Tatsachen gestellt. Ich entscheide v\u00f6llig undemokratisch und diktatorisch, dass wir dorthin fliegen. Dann denke ich an unseren 84-j\u00e4hrigen Fliegerfreund Klaus Englaender. Klaus hat bestimmt Lust mitzukommen. Noch w\u00e4hrend ich die What\u00b4s app tippe, bin ich mir sicher, dass ich die Antwort kenne. So ist es auch. Zwei Minuten sp\u00e4ter lese ich:\u00a0<em>\u201eIch bin dabei. Viele Gr\u00fc\u00dfe Klaus\u201c<\/em>. Schnell maile ich unsere Anmeldung an Ren\u00e9, der die Koordination f\u00fcr alle Piloten au\u00dferhalb Russlands auf Bitte der einladenden DOSAAF \u00fcbernommen hat und sende alle ben\u00f6tigten Dokumente an das HanseOffice Kaliningrad. Die zwei, perfekt Deutsch sprechenden, Tatjanas, Tatjana Pavlowa und Tatjana Woloschina k\u00fcmmern sich um die Koordination in Kaliningrad und \u00fcbernehmen dort fast alle anfallenden organisatorische Aufgaben. Am 03.07.2019 kommt eine weitere Mail von Ren\u00e9. Der Inhalt gef\u00e4llt mir gar nicht. Es schaut so aus, als ob das Fly-in nicht stattfindet. Der DOSAAF Kaliningrad wurden von der Zentrale in Moskau die bewilligten Gelder, wegen Geldmangel, gestrichen. Nachdem Ren\u00e9 und Sergey Mashchenko vom Kaliningrader Fliegerklub in einer Telefonkonferenz mit der russischen Flugsicherheitsbeh\u00f6rde Ersatzm\u00f6glichkeiten diskutiert haben, er\u00f6ffnete sich die M\u00f6glichkeit einer abgespeckten Veranstaltung.\u00a0\u00a0Ren\u00e9 fragte dann alle 80 Piloten, die sich bis dato gemeldet hatten, wer trotzdem fliegen m\u00f6chte. Auch dann, wenn man sich um alles selbst k\u00fcmmern muss und wir nicht in DEVAU, dem 1. Verkehrslandeplatz Deutschlands landen k\u00f6nnen. Wer sich jetzt wundert\u00a0<em>\u201ewarum ist dies der 1. Verkehrslandeplatz Deutschlands, wenn er doch in Russland liegt\u201c,<\/em>\u00a0dem sei zur Erkl\u00e4rung gesagt, dass es sich bei der russischen Exklave Kaliningrad um das ehemalige deutsche K\u00f6nigsberg handelt. Von den urspr\u00fcnglich \u00fcber 80 angemeldeten Maschinen entscheiden sich ca. 40, das Abenteuer einzugehen. Russland hat p\u00fcnktlich vor unserer Abreise ein kostenloses E-Visa, das \u00fcber das Internet zu beantragen ist, f\u00fcr den Oblast Kaliningrad eingef\u00fchrt. Einen Tag nach dem Hochladen der geforderten Daten ist das Visa schon erteilt. Nun kann es losgehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Endlich ist es soweit. Robert, Klaus und ich sind am 15.08.2019 auf dem Weg nach Danzig. Im Landeanflug sehe ich auf dem Vorfeld von EPGD ziemlich viele D-Mike und D-Echo Flugzeuge. Alle haben das gleiche Ziel wie wir &#8211; Kaliningrad. Langsam steigt die Spannung. Wird es klappen? Wann erhalten wir vom HanseOffice unsere Einflugnummer, die wir f\u00fcr den Flugplan ben\u00f6tigen? Wird unser Flugplan akzeptiert? Fragen \u00fcber Fragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Einflugnummer kommt p\u00fcnktlich am Abend per E-Mail. Zudem erhalte ich eine Nachricht von Heike K\u00e4ferle. Sie und ihr Mann Horst sind schon heute nach UMKK, dem internationalen Verkehrsflughafen Kaliningrad-Khrabrowo, unserem Einflughafen, geflogen. Ich lese:\u00a0<em>\u201eWir sind in Kaliningrad, Einflug hat super geklappt. F\u00fcr Weiterflug nach DEVAU oder Waldau muss man mit ca. 3 Stunden Wartezeit rechnen\u201c<\/em>. Nun bin ich beruhigt und glaube fest daran, dass wir morgen in Kaliningrad sind. Egal wie lange die Wartezeit in UMKK ist. Hauptsache wir sind in Russland.<\/p>\n\n\n\n<p>Freitag morgen gebe ich bei der DFS telefonisch den Flugplan f\u00fcr unsere kleine Formation auf. Robert und ich in unserer CTLS und Klaus mit seiner FK 9. Der Herr am Telefon wei\u00df schon Bescheid. Ich bin nicht die Erste, die heute anruft, um von Danzig nach Kaliningrad zu fliegen. Es geht los, immer entlang der polnischen K\u00fcste. F\u00fcr mich \u201eS\u00fcdl\u00e4nder\u201c, der in Oberbayern kurz vor der \u00f6sterreichischen Grenze zu Hause ist, ist schon der Ostseeflug ein Erlebnis. Wir kommen zur Frischen Nehrung. Links und rechts von der schmalen Landzunge, der Nehrung, ist Wasser. Links die Ostsee und rechts das frische (S\u00fc\u00dfwasser) Haff. Ungef\u00e4hr mittig verl\u00e4uft die Grenze zwischen Polen und Russland. Jetzt bin ich doch etwas aufgeregt. Gleich sind wir am Grenzpunkt GOMED. Gdansk information verabschiedet uns von ihrer Frequenz. Ich fliege und Robert funkt Kaliningrad approach an. Ein freundliches&nbsp;<em>\u201eDobryy den, welcome to Kaliningrad\u201c<\/em>&nbsp;kommt aus dem Funk.&nbsp;<em>\u201ewe have you on the radar, next report URAMA\u201c<\/em>. Robert und ich klatschen uns freudestrahlend ab. Wir sind in Russland! \u00dcber URAMA bekommen wir das Heading 045\u00b0. Ich folge diesem und traue kaum meinen Augen. Unsere Flugstrecke geht Midfield \u00fcber den Milit\u00e4rflugplatz Chkalovsk. Unter uns steht eine gro\u00dfe Anzahl Milit\u00e4rjets.&nbsp;<em>\u201eGrass\u201c,<\/em>&nbsp;denke ich. Bis 1991 war der Oblast Kaliningrad milit\u00e4risches Sperrgebiet. Nicht nur f\u00fcr Ausl\u00e4nder, sondern auch f\u00fcr Russen aus anderen Regionen war eine Einreise nahezu unm\u00f6glich. Heute d\u00fcrfen wir direkt \u00fcber den Milit\u00e4rst\u00fctzpunkt fliegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere kleine Formation n\u00e4hert sich Kaliningrad-Khrabrowo. Robert wechselt die Frequenz auf Kaliningrad Tower. Wir erhalten die Landefreigabe und ich setze die CT zum ersten Mal auf russischem Boden auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwa 10 Maschinen aus Deutschland kommen nahezu zeitgleich in Khrabrowo an. Ich denke an die Nachricht von Heike und stelle mich auf eine lange Wartezeit ein. Ich freue mich, in Ruhe mein mitgebrachtes \u201eCatering\u201c , eine trockene Semmel aus Danzig, zu essen. Dazu komme ich aber nicht. In UMKK l\u00e4uft alles wie am Schn\u00fcrchen. Der Flughafen hat sich f\u00fcr den Ansturm ger\u00fcstet. Wir werden von einer gro\u00dfen Anzahl an Grenzbeamten in Empfang genommen. Jede Maschine bekommt ein eigenes Abfertigungsteam. Dokumentenkontrolle und das \u00dcberpr\u00fcfen der Maschine gehen schnell. Ich bin von den Grenzbeamtinnen fasziniert. Sie machen das Vorfeld zum Catwalk. Wie aus dem Ei gepellt, mit High Heels in denen ich nach sp\u00e4testens zwei Metern umknicken und auf die Nase fliegen w\u00fcrde, schreiten sie von Flugzeug zu Flugzeug. Ich komme mir in meinen Turnschuhen, Jeans und T-Shirt fast sch\u00e4big vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Bus bringt uns zum Flugplanb\u00fcro. W\u00e4hrend die einen die Toiletten besuchen, geben die anderen den, auch f\u00fcr den kurzen H\u00fcpfer nach DEVAU, obligatorischen Flugplan auf. Nicht mal eine Stunde nach der Landung sind wir schon wieder in der Luft.<\/p>\n\n\n\n<p>Zehn Minuten sp\u00e4ter, im Final von DEVAU, haben wir die Qual der Wahl. Sollen wir auf der Schotterpiste oder auf der frisch f\u00fcr uns einges\u00e4ten Graspiste landen. \u00dcber Funk wird uns die Entscheidung abgenommen. \u201eNehmt Gras, ist besser als Steine\u201c schallt es auf Deutsch aus dem Headset. Eine gute Wahl. Hoppelig wird es erst, als wir die Piste verlassen und auf dem \u201eTaxyway\u201c zur Parkposition rollen. Wobei rollen nicht ganz stimmt. Es ist mehr ein H\u00fcpfen \u00fcber und durch die Furchen. Gut gesch\u00fcttelt kommen wir an und werden sofort ganz herzlich von dem Flugplatzchef von DEVAU Sergey Mashchenko und seiner Frau Yulia Sherstobitova empfangen. Auch die beiden Tatjanas vom HanseOffice begr\u00fc\u00dfen uns freudig. Als Willkommensgeschenk gibt es f\u00fcr jeden eine Flasche W\u00e4sserchen. W\u00e4sserchen ist die deutsche \u00dcbersetzung von Wodka, dem russischen \u201eNationalgetr\u00e4nk\u201c. Damit sto\u00dfen wir auf die erste Landung von ausl\u00e4ndischen Flugzeugen seit 1945 in DEVAU an!\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Der offizielle Begr\u00fc\u00dfungsabend findet in den R\u00e4umen der DOSAAF unter dem Bild des russischen Pr\u00e4sidenten statt. \u00dcber 60 Leute aus Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden sind, verteilt auf 35 Maschinen, gekommen. Ich bin nicht die Einzige, die es nach Russland gezogen hat. Wir erfahren w\u00e4hrend des Briefings, dass das geplante Flugprogramm \u00fcber die Kurische und die Freie Nehrung mit Landung auf dem ehemaligen Seefliegerhorst Pillau-Neutief wegen milit\u00e4rischer Sicherheitsbedenken nicht genehmigt wurde. Es besteht aber die M\u00f6glichkeit am n\u00e4chsten Tag zum Tanken nach Waldau, dem privaten Flugplatz von Alexander Filin, zu fliegen. Zu der ohnehin schon angebotenen Stadtrundfahrt wird vom HanseOffice spontan eine Busfahrt nach Jantarny an der Ostseek\u00fcste organisiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus, Robert und ich wollten eigentlich am Samstagvormittag nach Waldau fliegen, bleiben aber in der Stadt \u201eh\u00e4ngen\u201c. Wir schauen uns den K\u00f6nigberger Dom an, umrunden das in den 1970er auf den Ruinen des K\u00f6nigsberger Schlosses begonnene und nie fertiggestellte Haus der Sowjets, schlendern durch das Fischdorf am Ufer der Pregel und besichtigen das russische U-Boot B-413. Bis vor einigen Jahren unvorstellbar, dass deutsche Touristen auf einem, zugegebenerma\u00dfen nicht ganz aktuellem, russischen U-Boot rumklettern.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu der Fahrt an die K\u00fcste schaffen wir es gerade noch rechtzeitig. Bis vor eben dachte ich, dass Bernstein ein Stein ist. Nun lerne ich, dass Bernstein aus fossilem Harz besteht. So sch\u00f6n Jantarny heute ist, so furchtbar waren die Gr\u00e4ueltaten der deutschen Wehrmacht Ende Januar in Palmnicken, wie der Ort fr\u00fcher hie\u00df. Wir besichtigen das Holocaustdenkmal und gehen dann, dankbar, dass wir in der heutigen Zeit leben und von allen Leuten freundlich aufgenommen werden, an den Strand. Das St\u00e4dtchen steht den polnischen und auch deutschen Ostseeb\u00e4dern in nichts nach.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute, am Sonntag, finden die eigentlichen Feierlichkeiten zu 100 Jahre DEVAU statt. Zu den bereits angereisten Maschinen sind noch 2 Flugzeuge und 3 Hubschrauber aus Russland, sowie jeweils eine Maschine aus Polen und Tschechien gesto\u00dfen. Das Festprogramm bietet auf dem weiten Gel\u00e4nde von DEVAU f\u00fcr jeden Geschmack etwas. Den Programmpunkt&nbsp;<em>\u201eZerlegen und Zusammensetzen der Maschinenpistole, Aufsetzen der Atemschutzmaske\u201c,<\/em>&nbsp;finde ich etwas abstrus. Nachdem ich erkl\u00e4rt bekomme, dass die DOSAAF, die freiwillige Gesellschaft zur Unterst\u00fctzung der Armee, der Luftstreitkr\u00e4fte und der Flotte, dazu dient, Jugendliche auf den Milit\u00e4rdienst vorzubereiten, kann ich zumindest verstehen, dass es diesen Punkt gibt. Mich pers\u00f6nlich begeistern die Tanzvorf\u00fchrungen allerdings mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Ab 16 Uhr darf die Bev\u00f6lkerung zu unseren Maschinen. Nun sind wir die Hauptattraktion. Alle m\u00f6chten in den Flugzeugen Probesitzen. Die meisten fragen h\u00f6flich, ob sie das d\u00fcrfen und bedanken sich herzlich. Kinder hochheben und in die Flugzeuge zu setzen, ist die&nbsp;Hauptbesch\u00e4ftigung der Crews in den n\u00e4chsten zwei Stunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich schlendere \u00fcber den Platz und treffe J\u00fcrgen Lodders und Bernd von H\u00fcnefeld, die mit J\u00fcrgens C42 gekommen sind. Und dies nicht zum ersten Mal. 2017 hat J\u00fcrgen die allererste Flugreise deutscher ULs in die Oblast Kaliningrad, nach Waldau zu Alexander, organisiert. Als sie von ihm erfahren haben, dass es einen Fly-in in DEVAU gibt, waren sich beide sofort einig:&nbsp;<em>\u201eDa sind wir dabei\u201c<\/em>. Bernd, der Nachfahre des K\u00f6nigsberger Flieger und Schriftsteller Ehrenfried G\u00fcnther Baron von H\u00fcnefeld, ist der Meinung:&nbsp;<em>\u201eEs ist besser, wenn sich Piloten als Freunde besuchen und sich nicht gegenseitig Bomben auf den Kopf schmei\u00dfen\u201c<\/em>. Dem ist nichts hinzuzuf\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als n\u00e4chstes treffe ich Sigmar Sprenger und seinen Co-Piloten Wilfried Radloff. Die beiden sind mit der CTLS schon am Donnerstag aus Brandenburg angereist und waren somit das allererste ausl\u00e4ndische Flugzeug seit 74 Jahren, das den Boden in DEVAU ber\u00fchrt hat. F\u00fcr Sigmar war ebenfalls sofort klar, dass er bei 100 Jahre DEVAU dabei ist. Er versucht, seit 1994, nach oder \u00fcber die Oblast Kaliningrad zu fliegen. Bisher jedoch ohne Erfolg.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun machen sich die Kiebitze f\u00fcr einen Formationsflug \u00fcber den Platz bereit. Vier sind nach Kaliningrad gekommen. Drei fliegen morgen wieder zur\u00fcck nach Deutschland. Der vierte mit Burkhard Zach auf dem Pilotensitz fliegt weiter nach Moskau. Burkhard hat sich, mithilfe von Evgeny Kabanov von der russischen AOPA, seinen Traum, nicht nur durch die Exklave Kaliningrad, sondern auch durch das \u201eMutterland\u201c zu fliegen, erf\u00fcllt. Der Geldbeutel sollte dabei gut gef\u00fcllt sein. Die Genehmigungen und Landegeb\u00fchren wollen bezahlt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich treffe Vladislav wieder. Den Jungen im Pilotenoverall, der mich vorhin sehr freundlich gefragt hat, ob er mal in der CT sitzen darf. Er erz\u00e4hlt mir von seinem Fliegerleben. Er ist 13 und lernt seit einem Jahr bei der DOSAAF Segelfliegen. Die Bedingungen daf\u00fcr sind, 12 Jahre alt zu sein und mindestens 40 kg zu wiegen. Er schw\u00e4rmt, dass das Fliegen super viel Spa\u00df macht. Er ist jeden Tag auf dem Flugplatz und hat 2x pro Woche Theorieunterricht und er lernt auch, Flugzeuge zu bauen. Segelfliegen lernen ist f\u00fcr die Kinder und Jugendlichen komplett kostenlos. Auf die Frage, was er sp\u00e4ter mal werden m\u00f6chte, kommt wie aus der Pistole geschossen&nbsp;<em>\u201eMilit\u00e4rpilot\u201c<\/em>. Mich wundert das nicht. Die Hauptaufgabe der DOSAAF ist es ja schlie\u00dflich den Milit\u00e4rnachwuchs anzulocken. Ich frage mich, nicht zum ersten Mal, ob ich als Pazifistin nicht auf die Reise h\u00e4tte verzichten sollen. Unsere Gastgeber sind schlie\u00dflich, mehr oder weniger, das russische Milit\u00e4r. Ich vergesse meine ethischen Bedenken relativ schnell, da ich Ren\u00e9 sehe. Ren\u00e9 war U-Bootkommandant beim deutschen Milit\u00e4r. Vielleicht sollte ich es einfach als eine andere Art der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung ansehen. Bis vor Kurzem auch fast unvorstellbar, dass russische Milit\u00e4rs und (west)deutsche Milit\u00e4rs Freunde sind und zusammen feiern.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich stelle Ren\u00e9 die Frage, die mich schon die ganze Zeit brennend interessiert. \u201e<em>Was hat dich veranlasst, dieses Fly-in mit zu organisieren?, frage ich ihn\u201c<\/em>. \u201e<em>Ich habe schon \u00f6fters l\u00e4ngere Reisen um die\u00a0Ostsee mit dem Flugzeug gemacht. Ich musste immer um Kaliningrad herumkurven. Das wollte ich \u00e4ndern. Ich komme aus Kiel, der Partnerstadt von Kaliningrad und habe im Internet nach einem Flugverein in Kaliningrad recherchiert. Ich habe dann \u00fcber Sergey Khailov und Alexander Filin die Kontaktdaten von Sergey Mashenko vom Aerodrom DEVAU bekommen und \u00fcber das B\u00fcro unseres Stadtpr\u00e4sidenten Hans-Werner Tovar und den eingeschalteten deutschen Generalkonsul in Kaliningrad, Dr. Michael Banzhaf, die ausgesprochen wertvolle Verbindung zum HanseOffice\u00a0<\/em>\u00a0sagt mir Ren\u00e9 und spricht gleich weiter:\u00a0<em>\u201eNachdem die russische Regierung das Flugfest absagen wollte, habe ich Sergey zur Kieler Woche nach\u00a0\u00a0Kiel eingeladen und dort getroffen. Wir haben dann gemeinsam \u00fcberlegt, wie wir die gerade abgesagte Veranstaltung retten k\u00f6nnen, um unser gemeinsames Ziel, ein russisch-deutsches Fliegerfest, zu verwirklichen.\u201c Dies war die zweite Geburtsstunde von dem Fly-in 100 Jahre DEVAU\u201c.<\/em>\u00a0<em>\u201eWow\u201c<\/em>, denke ich\u00a0<em>\u201etolle Geschichte\u201c\u00a0<\/em>und mache mich auf die Suche nach Sergey und seiner Frau Yulia. <\/p>\n\n\n\n<p>Der ehemalige Milit\u00e4rpilot erz\u00e4hlt mir, was er schon alles geflogen ist. Ich glaube, die Liste w\u00e4re k\u00fcrzer gewesen, wenn er aufgez\u00e4hlt h\u00e4tte, wo er noch nicht das Steuer in der Hand hatte. Ein Flieger durch und durch. Auch Yulia hat den Pilotenschein. Ich erfahre, dass Sergey die Grasbahn, nachdem die zuvor zugesagten Gelder gestrichen wurden, auf eigene Kosten f\u00fcr uns einges\u00e4t und pr\u00e4pariert sowie die Schotterpiste durch Walzen nutzbar gemacht hat. Er wollte unbedingt, dass der Fly-in als Fest der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung stattfindet. Ich bin \u00fcberw\u00e4ltigt. Mir war gar nicht bewusst, wie viel Leute ihr ganzes Engagement daf\u00fcr eingesetzt haben, dass ich und die anderen ausl\u00e4ndischen Maschinen nach DEVAU kommen k\u00f6nnen. Er sagt mir dann noch, dass die DOSAAF Zentrale letztendlich doch noch die Kosten \u00fcbernommen und ihm seine Auslagen erstattet hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Abend endet mit einem, von dem deutschen Generalkonsulat bereitgestelltem, Buffet inmitten der Flugzeuge. Sergey hat es sich aber nicht nehmen lassen ein Bierfass zu spendieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter den Teilnehmern kommt der Wunsch auf sich in irgendeiner Form f\u00fcr die Gastfreundschaft zu bedanken. Bei der spontanen Sammlung f\u00fcr einen Verein, der benachteiligte Jugendliche in Kaliningrad unterst\u00fctzt und in dessen Vorstand die beiden Tatjanas sind, kommt ein ansehnlicher Betrag zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Montagvormittag treffe ich noch mal auf Ren\u00e9, der gerade vom Stadtratsvorsitzenden von Kaliningrad, Andrey Kropotkin, kommt. Er teilt mir mit, dass dieser ihn und alle deutschen Flieger zum Stadtfest 2020 eingeladen hat. Mit dem abgewandelten Sepp Herberger Zitat&nbsp;<em>\u201enach DEVAU ist vor DEVAU\u201c<\/em>&nbsp;verabschiedet sich Ren\u00e9 von mir. Ich bin n\u00e4chstes Jahr auf jeden Fall wieder mit dabei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf nach Kaliningrad: 100 Jahre Flugplatz DEVAU Auf der AERO 2019 habe ich James Ketchell getroffen. 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