Tunesien: Müll oder Kunst?

Tunesien hat auf relativ kleiner Fläche (Deutschland ist mehr als doppelt so groß) viele unterschiedliche Landschaften. Im Norden die grünen Wälder, die hauptsächlich aus Korkeichen bestehen, im Süden die Wüste, es gibt Berge und ganz flache Gegenden (die maximale Erhebung auf Djerba beträgt 52 Meter) und Tunesien hat viel Meer, dazu Dattelpalmen und Olivenbäume. Alles schaut aus der Luft wunderschön aus, am Boden ist es besser den „deutschen Blick für Sauberkeit“ zu vergessen und die Landschaft als Kunstwerk zu betrachten. Kunst im Sinne von künstlich. Überall liegt Plastik. Auf dem Boden, in den Bäumen, Palmen und Kakteen tragen Plastikblüten. Tunesien wurde von jedem der ein „ausgeprägtes Sauberkeitsempfinden“ hat schon vor der Revolution als schmutzig empfunden, seither ist es aber leider noch viel dreckiger geworden. Die neuen Regierungen (seit der Revolution waren schon mehrere an der Macht) bekommen das Müllproblem nicht in den Griff. Die Müllabfuhr streikt sehr gerne und es gibt kaum offizielle Mülldeponien oder gar Verbrennungsanlagen – nur inoffizielle. Das ganze Land ist eine inoffizielle Mühldeponie und die inoffiziellen „Verbrennungsanlagen“ führen dazu, dass es öfters zu größeren Bränden kommt da das Feuer eines angezündeten  Müllhaufens  ausser Kontrolle gerät.

Ich glaube nicht, dass es den Tunesiern egal ist wie ihr Land anschaut, zumindest den meisten, aber was sollen sie tun? Solange es keine funktionierende Müllwirtschaft gibt und der Verbrauch von viel Plastik eine Art Statussymbol ist wird es nicht besser werden. Manch einer der Tunesier die wir kennengelernt haben sehen den Müll als größtes Problem für den Tourismus. Nicht die Revolution, nicht die Anschläge sondern den Müll. Fatima aus Tozeur bringt es auf den Punkt: “ Die Touristen vergessen mit der Zeit die Revolution und die Anschläge von Tunis und Sousse. Sie kommen wieder und machen dann Urlaub auf einer Müllhalde. Dies wird ihnen nachhaltig in Erinnerung bleiben und es bleibt bei einmal und nie wieder. Niemand möchte seine Ferien in einer Mülldeponie verbringen“. In ähnlichen Worten hat es auch Habib in Tabarka ausgedrückt.

Ich hoffe, für die Schönheit des Landes und für die Wirtschaft (Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftszweig in Tunesien) dass das Land in absehbarer Zeit die Müllproblematik beherrscht. Bis dahin hilft der Kunstblick. Der Müll ist nicht eintönig sondern bunt und wirkt wie Kunstinstallationen – auch der olfaktorische Sinn, der Geruchsinn, wird in das Gesamtkunstwerk mit eingebunden. Es ist hier aber so wie bei allem das stark riecht – mit der Zeit nimmt man es nicht mehr war. In allem – auch im Müll – wohnt Schönheit inne.

Deine Meinung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.