Tunesien: Von Tozeur nach Monastir

Leider müssen wir uns heute von der Wüste verabschieden. Ursprünglich hatten wir mal die Idee ganz in den Süden zu fliegen – nach El Borma, dorthin wo die Ölfelder Tunesiens sind und wo es einen Flughafen gibt. Uns wurde aber schon im Vorfeld der Reise, als wir für die Einreisegenehmigung unsere gewünschten Zielflughäfen angegeben haben, gesagt, dass dies aus Sicherheitsgründen nicht möglich ist. Die ganze südliche Wüstenregion ist Sperrgebiet. Wir dürfen aber ein bisschen in die Wüste rein schnuppern. Nach dem Start geht es zuerst über den Chott el Djerid, den Salzsee, der mit 7500 qm fast 14 mal so groß ist wie der Bodensee. Das Salz glänzt in der Sonne. Ich sehe öfters mal ein Schiff. Ist aber keines sondern nur eine Fatamorgana. Ich lerne, dass es diese nicht nur in der Sandwüste sondern auch in der Salzwüste gibt.

Weiter geht es zur Oase Douz. Diese hätte ich gerne vom Boden aus besichtigt, was aus Zeitgründen aber leider nicht mehr möglich war. Bei der guten Sicht, die wir heute haben kann ich mir gar nicht vorstellen, dass morgen der große Sandsturm mit Null Sicht kommen soll. Südlich von Douz können wir über den Beginn des Grand Erg, das große Sandmeer der Sahara, fliegen. Hier schaut es nun so aus, wie ich mir die Wüste vorstelle. Überall Sand und Sanddünen. Ich habe Szenen aus „Der englische Patient“ der hier gedreht wurde vor Augen. Robert fotografiert Berber mit ihren Kamelen – vielleicht sind es aber auch Urlauber die “ Ritt in die Wüste mit Übernachtung“ gebucht haben. Auf meinen Handybildern ist allerdings weder ein Berber noch ein Tourist zu sehen.

Es wird immer weniger Wüste, dafür mehr Berge und dann sind wir über der Höhle. Genauer gesagt über den Höhlenwohnungen von Matmata. Robert besteht darauf, dass er die Eingänge der Wohnungen sieht. Ich sehe nichts. Sobald Robert seine Bilder „freigegeben“ hat – was allerdings lange dauern kann –  werde ich sie mir anschauen. Dann kann ich überprüfen ob es stimmt oder ob er mir einen Bären, oder in dieser Gegend hier vielleicht ein Kamel, aufgebunden hat.

Während ich noch versuche die Höhlenwohnungen zu erkennen kommt schon das Meer in Sicht. Kein Salzmeer, kein Sandmeer sondern das echte Wassermeer bei Djerba.

Eigentlich fliege ich heute und Robert ist für den Funk verantwortlich. Gerade ist es aber so, dass ich fliege und funke. Ich funke mit Djerba Tower und frage ob wir die Nordküste entlang bis zum Flughafen und dann wieder zurück ans Festland fliegen können. So hat es Robert ursprünglich festgelegt. Ich bekomme den Flug über den Platz genehmigt. Dann will Robert die ganze Insel umrunden. Ich frage nach. Leider meldet sich kurz nach mir die Tunisair, die im Anflug ist. Ich bekomme die Inselumrundum nicht genehmigt und werde auf´s Meer geschickt. Die Lotsin will dass wir 15 Meilen raus fliegen und dann erst wieder zurück ans Festland. Robert grummelt ein bisschen vor sich hin aber es lässt sich nun mal nicht ändern. Das Wasser sieht toll aus. Wir fangen an zu bedauern, dass wir uns nicht die Insel für unseren Stopp ausgesucht haben. Gerne hätte ich mir das Meer vom Schiff aus angesehen. Da uns aber irgendwann mal der Urlaub ausgeht haben wir beschlossen, dass wir weiter nach Norden fliegen um eine gute Ausgangsposition für unseren Flug nach Sizilien zu haben. Also geht es weiter an der Küste entlang. Zunächst ist die Strandbebauung locker, kleine Häuser und viel unbebaute Fläche dazwischen. Aus der Luft betrachtet würde ich sagen dass dies lauter kleine Fischerdörfer sind. Erst kurz vor Sfax, der zweitgrößten Stadt Tunesiens, wird es an der Küste „enger“ und die ersten Hotelbauten kommen in Sicht. Über der großen Industriestadt Sfax fängt es plötzlich an penetrant zu riechen. Wobei riechen noch höflich ausgedrückt ist. Es fängt an zu stinken – nach verbranntem Öl und Gummi. Im ersten Moment befürchte ich, dass wir so stinken. Ein schneller Blick auf die Motoranzeigen beruhigt mich. Bei der CT ist alles in Ordnung. Der Gestank kommt von aussen. An der Küste wird die Bebauung aufgelockerter bis sie ab Mahida wieder zunimmt und vor Monastir in die „Bettenburgen“ übergeht. Ich melde mich bei Monastir Tower und der Lotse sagt, dass wir der einzige gemeldete Verkehr sind und die nächste Meldung „right base“ 07 erfolgen soll. Da ausser uns niemand da ist möchte Robert über die Stadt Monastir geflogen werden um zu fotografieren. Da spricht mich der Lotse an und meint, dass wir zu weit sind aber auch die 25 nehmen können, allerdings mit 12 Knoten Rückenwind. Ich sage ihm, dass ich gleich in den right base 07 fliege, wir aber zuvor gerne noch etwas Sightseeing machen würden. Damit ist er einverstanden. Als Robert alle seine Bilder im Kasten hat lande ich auf dem Flughafen von Monastir, der fast in der Stadt liegt. Das Follow me wartet schon und geleitet uns zu unserer Parkposition. Ich gewöhne mich langsam an die großen Flughäfen ganz für mich alleine. Die Polizeibeamten wollen heute nicht mal das Hotel  wissen. 20 Minuten nach unserer Landung, wovon wir 15 Minuten für das ausräumen und verzurren  unseres kleinen Flugzeuges benötigen, sind wir im Terminal und suchen den Mietwagenschalter. Robert hat gestern Abend über das Internet ein Auto gebucht. Es sind einige Mietwagenfirmen vertreten nur leider nicht die, bei der unser Auto reserviert ist. Robert fragt die Dame eines anderen Unternehmens und sie sagt uns, dass unser Verleiher gar kein Büro am Flughafen hat. Sie ist so freundlich und ruft ihn an. Es heisst, dass er in 30 Minuten da ist. Nach 5×30 Minuten kommt dann wirklich jemand. Na ja so haben wir noch viel Kaffee trinken können und die Ankunft von zwei Maschinen mitbekommen. Im vergleich zu Tabarka und Tozeur ist am Flughafen Monastir die Hölle los.

Nachdem Robert den Motor gestartet hat, diesmal nicht den des Flugzeuges sondern den des Mietwagens fahren wir ins Hotel, gerade mal 4 km vom Flughafen entfernt. In so ein Hotel wo ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann 2 Wochen Urlaub zu machen. Es war sicherlich mal ein tolles Hotel. Direkt am Strand neben gefühlten 200 anderen Hotels. Auf den ersten Blick schaut die Anlage schön aus. Auf den zweiten Blick sieht man, dass sie vor 5-10 Jahren schön war, seither aber leider nicht so gut gepflegt wurde. Bei dem Preis den wir für die Übernachtung bezahlen (33€ inklusive Frühstück) und bei den wenigen Gästen die im Hotel sind (ca. 20) ist ein Unterhalt einer solchen Anlage auch nicht möglich. In Monastir sieht man ganz deutlich zu welchen Problemen die seit der Revolution 2011 und den Abschlägen von Tunis und Sousse 2015 fehlenden Touristen führen. Zweidrittel der Hotels sind geschlossen und bei denen, die geöffnet haben ist der Lack ganz schön abgeblättert. Robert und mich stört es nicht so sehr, wir sind nur zum schlafen im Hotel und dabei habe ich die Augen zu und sehe die verblichene Pracht nicht. Die Mitarbeiter sind freundlich und versuchen das Beste aus der Situation zu machen. Ein letzter Blick auf das Wetter sagt uns, dass übermorgen wohl der beste Tag ist um nach Sizilien zu fliegen. Morgen steht dann „Bodensightseeing“ in Monastir auf unserem Plan.

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