Tunesien: Von Tabarka nach Tozeur

Heute werde ich in die Wüste geschickt. Nach Tozeur – eine Oase am Rande der Sahara. Veronique, die inzwischen nicht mehr normale Gastgeberin sondern eher Freundin ist, bringt uns zum Flughafen. Zunächst fährt sie zu einer Tankstelle. Hier werden Roberts eher zwielichtige Benzinbehälter gefüllt. Robert hat im Campingbedarf Solarduschen sowie einen faltbaren Plastikkanister für Wasser gekauft. „Das geht alles eng zusammen und ich will den Sprit ja nicht ewig drin lassen. Außerdem sind die Behälter billig“, sagte er mir zu Hause als ich entsetzt geschaut habe. Heute ist es nun soweit. Die Dusche und der Kanister haben ihren ersten Einsatz. Auf keinem tunesischen Flughafen ist Avgas oder Mogas verfügbar. Was sich zunächst blöd anhört ist eigentlich ganz gut. Wir bezahlen  für 35 Liter Super 26 Diram ca. 10 Euro. Bei dem Faltkanister stellt sich schon beim befüllen heraus, dass er nicht zum falten – zumindest nicht für Roberts Falttechnik geeignet ist. Er hat lauter kleine Minilöcher. Darauf können wir jetzt keine Rücksicht nehmen. Ich hoffe nur, dass nicht zuviel raussabbert.

Veronique fährt uns weiter zum Flughafen. Auf der Zufahrtsstraße des perfekt gepflegten Flughafens, auf dem seit Jahren kein Linien- oder Charterflugverkehr mehr stattfgefunden hat, werden wir von einem etwas „angesäuerten Herren“ in Empfang genommen. Wir sind zu spät. Im Flugplan, den wir am Mittwoch bei unserer Ankunft aufgegeben haben stand: Abflugzeit 8 UTC. Inzwischen ist es 10:30 Uhr Ortszeit. Um zu verstehen warum der Herr sauer ist muss man wissen, dass der Flugplatz heute nur für uns geöffnet ist. Am Wochenende ist der Platz normalerweise geschlossen. Unter der Woche eigentlich auch – es kommen ja keine Flugzeuge an. Trotzdem wird der Schein gewahrt und der Platz ist von Montag bis Freitag voll betriebsbereit. Ich wünsche dem Flugplatz und der Stadt dass bald wieder Flugzeuge landen und viele Besucher bringen. Der Herr hat sich schnell beruhigt nachdem Robert und ich uns entschuldigt haben. Wir haben total vergessen, dass Tunesien zwar im Winter die gleiche Zeit hat wie wir aber keine Sommerzeit. Sie sind UTC +1 und wir dachten UTC +2. Trotzdem sind wir zu spät, da wir am Mittwoch nicht wirklich realisiert haben dass für uns ein ganzer Flughafen – inklusive Putzfrau – in Betrieb genommen wird. Irgendwie ist dies hier alles surreal. Veronique darf nicht bis vor den Eingang fahren, da die Straße vor dem Terminal aus Sicherheitsgründen (Verhinderung von Anschlägen mit Fahrzeugen) verboten ist. Wir müssen zu Fuß zum Terminal gehen. Veronique begleitet uns. Dann gibt Robert einen neuen Flugplan auf. Auf direktem Wege können wir nicht fliegen, da ein militärisches Sperrgebiet dazwischen liegt. Mit Hilfe des Herren vom Flugplanbüro erstellt Robert eine Route. Ich bekomme langsam Angst wegen des Sprits in Veroniques Auto. Der Faltkanister hat Löcher und das andere Transportgefäß ist ja eine Solardusche. Die Sonne scheint voll auf den Kofferraum. Ich stelle mir lieber nicht so genau vor, was Solardusche und Hitze mit dem Sprit machen. Veronique und ich erklären den 5 anderen Herren die für uns da sind unser Spritproblem. Das „Mädchen für alles“, der Herr der uns schon bei der Ankunft mit dem Follow me empfangen hat wird geschickt den Pick up zu holen. Wir laden dann den Sprit auf die Ladefläche. Veronique und ich dürfen mit einsteigen müssen aber am Terminal wieder aussteigen, da wir durch die Sicherheitskontrolle müssen. Der Sprit darf ohne kontrolliert zu werden auf das Vorfeld fahren. Robert und ich müssen durch die Sicherheitskontrolle. Es piepst aber das interessiert niemanden. Unsere kleine CT steht auf dem großen Vorfeld des internationalen Flughafens, der seit mehreren Jahren keine Flugbewegungen mehr hat außer denen der lokalen Flugschule – und will mit 35 Litern Superbenzin betankt werden. Dafür benötigen wir die Feuerwehr! Es wurde an alles gedacht als heute morgen der Flughafen für uns aufgeschlossen würde.

Zuerst kommt die Solardusche dran. Zum duschen mag sie sich ja eignen aber bestimmt nicht zum Tanken. Es dauert ca 15 Minuten bis 15 l Sprit im Flügel sind. Dann ist der Kanister an der Reihe, in dem, entgegen meinen Befürchtungen, noch der Sprit drin ist. Es sieht so aus, als ob dies noch länger dauert als bei der Dusche. Dann hat der Herr des tunesischen Grenzschutzes, der uns auf‘ s Vorfeld begleitet hat die rettende Idee. Eine Wasserflasche wird zum Trichter umfunktioniert und der Kanister ist in einer Minute leer.

Wir gehen zurück in unser Privatterminal. Dort erwartet uns der Herr vom Flugplanbüro. Er teilt mit, dass unser Flugplan so nicht genehmigt wird und wir ein neues Routing haben. Der Grund ist, dass es in den Bergen in der Grenzregion zu Algerien wegen „bad people“ wie er sich ausdrückt zu Schießereien mit der Polizei und dem Militär kommen kann. Oha, da sollten wir uns wohl lieber an die neue Route halten. Wir verabschieden uns herzlichen von Veronique bedanken uns bei allen, die heute für uns den Flughafen geöffnet haben und können ca. 2 h nach Ankunft am Flughafen endlich abfliegen. Heute ist Robert Pilot in Command und ich für den Funk zuständig.

Der Lotse und ich funken miteinander als ob außer uns noch 50 andere Maschinen da wären. Alles absolut korrekt. Nachdem ich „cleared for take off runway 22“ zurückgesprochen haben, startet Robert. Und schon muss ich wieder fliegen. Er möchte das Haus von Veronique und Jonny das Couleur Mediterranee fotografieren.

Als ich auf Kurs zu unserem nächsten Meldepunkt gehe erinnert sich Robert wieder daran dass er „pilot flying“ ist und ich kann ein Bild unseres „Privatflughafens“ machen.

Der Beginn des Fluges in die Wüste erinnert mich an das Monchique Gebirge in Portugal. Überall sind Korkeichen zu sehen. Je weiter wir nach Süden kommen desto karger wird die Landschaft bis plötzlich die Wüste unter uns ist. Der Flug ist ziemlich „bumpy“ da wir voll in der Mittagsthermik sind. Ich mag beim fliegen nicht ständig durchgeschüttelt werden aber heute bleibt mir wohl nichts anderes übrig als Augen zu und durch. Wobei Augen zu nicht so gut ist, denn inzwischen fliege ich wieder. Robert arbeitet. Er fotografiert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei dem Gewackele und Geschaukele etwas vernünftiges dabei herauskommt. Bei mir kommt maximal das Mittagessen wieder raus. Gut dass das heute nur aus einer handvoll Nüssen bestanden hat.

Ich bin auf der Frequenz von Tunis information. Ich kann sie meistens relativ gut hören. Sie uns vermutlich nicht. Alle paar Minuten ruft uns Tunis und frägt wie wir sie verstehen. Irgendwann geben Sie es auf und sagen uns dass wir einfach Gafsa Approach versuchen sollen. Ich steige höher, nicht  um einen besseren Funkkontakt zu haben sondern in der Hoffnung nicht mehr durchgeschüttelt zu werden. Die Hoffnung wird enttäuscht aber ich erreiche Gafsa. Den dortige Lotsen habe ich vermutlich aus dem Mittagsschlaf gerissen. Er meint wir können fliegen wie wir wollen und sollen uns bei Tozeur Approach melden.

 

Fliegen wie wir wollen, das lässt sich Robert nicht zweimal sagen und schickt mich zu einer Schlucht um zu fotografieren. Da wird Tozeur Tower, bei denen ich mich inzwischen gemeldet habe ganz nervös. Wir sind zu nahe an der algerischen Grenze. Ich gehe schnell wieder auf Kurs Tozeur, bei bester Sicht. Schlagartig wird die Sicht immer trüber. Sand ist in der Luft. Wir stochern nicht im Nebel sondern wühlen im Sand. Knapp über dem Boden ist die Sicht besser und Robert setzt souverän in Tozeur auf.

Wir sind in der Wüste!

Auch hier werden wir, wie schon in Tabarka, sehr freundlich und hilfsbereit empfangen. Wir bekommen unsere Parkposition in der Nähe der inzwischen schon ganz schön verrotteten Jumbos, die wohl Gaddafi gehört haben, zugewiesen. 10 Minuten nach der Landung stehen wir im Terminal und die freundliche Dame von der Information bestellt uns ein Taxi. Da sonst gerade nichts los ist wartet sie vor dem Flughafengebäude mit uns auf dieses. Sie fragt mich nach unserem deutschen Ostern. Was da so gemacht wird und wie wir es feiern. Ich versuche, so gut es mein französisch erlaubt, zu erklären welchen Stellenwert Ostern hat. Ich sage, dass für mich das Beste an Ostern die Schokoladenhasen und die Schokoeier sind. Sie ist ganz schnell mit mir einig, dass dies ein guter und vor allem leckerer Brauch ist.

Zum Abschied fotografiert uns Robert zusammen und schon ist unser Taxi da.

 

2 Comments

  1. Uli said:

    Holdrio! Prima macht ihr das! Tolle Reise, toller Blog, tolle Fotos…
    Viel Spaß und interessante Erlebnisse,
    Uli aus der Osterkälte

    April 17, 2017
    Reply
    • Heike said:

      Vielen Dank 🙂

      April 24, 2017
      Reply

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